Heute mal etwas, das schon viele machen, viele aber auch
noch nicht, jedoch würden sie es gern tun:

Wir machen Seife!

In Anbetracht der Einsatzmöglichkeiten kann das Seifensieden
schnell zum Lieblingshobby ausarten, denn die klassische Seife befreit nicht
nur unser größtes Organ – die Haut – von Schmutz, darüber hinaus gibt es
Haarseifen, Rasierseifen, Peelingseifen und vieles mehr. Damit wirst du nie
wieder um ein originelles Geschenk verlegen sein, dass du sogar noch auf die
individuellen Bedürfnisse des Beschenkten abstimmen kannst! Freunde mit
empfindlicher Haut oder Allergien freuen sich sehr über Hautpflegeprodukte, bei
denen sie sicher sein können, dass umstrittene Zusatzstoffe wie Silikone oder
Konservierungsmittel gar nicht erst enthalten sind. Darüber hinaus sparst du
mit deiner eigenen Seife (je nach Zutaten) auf die Dauer nicht nur Geld,
sondern auch jede Menge Plastik ein, denn sämtliche Verpackungen, wie sie
beispielsweise für Duschgel gebraucht werden, fallen hier weg.

Schon die Kelten verarbeiteten Ziegentalg und Asche zu
Seife. Das ergab sicherlich kein sonderlich ansprechendes Ergebnis, der
chemische Grundprozess war allerdings gegeben: Eine Lauge und ein Fett wurden
miteinander „verseift“. Der moderne Seifensieder besorgt sich Natronlauge in
der Apotheke und steht dann vor der Qual der Wahl eines geeigneten
Pflanzenfettes. Hier eignen sich alle bekannten Speiseöle, die gern mit
pflegenden Komponenten wie Kakaobutter kombiniert werden. Den Peelingeffekt
liefern beispielsweise kleingehackte Kräuter, Farbe kommt mit Paprikapulver ins
Spiel und die Nase wird durch natürliche ätherische Öle verwöhnt.

Wenn du nun neugierig geworden bist, dann bleib dran, gleich
erkläre ich dir, wie das mit dem Seife machen geht! Darüber hinaus kann ich dir
folgende Webseite empfehlen: www.naturseife.com.
Hier findest du alles rund um das Thema Seifenherstellung, inklusive vieler
Bezugsquellen für Zubehör und Zutaten. Wenn du lieber echtes Papier in der Hand
hast, dann besorge dir das Buch von Claudia Kasper „Naturseife, das reine
Vergnügen“!

Gut, los geht’s!

Wir stellen die sogenannte „kalt gerührte“ Seife her, das
bedeutet, dass wir, im Gegensatz zu industriell hergestellter Seife, das Fett
und die Lauge in kaltem Zustand zusammenbringen, so bleiben wertvolle
Inhaltsstoffe in den Zutaten erhalten. Ausserdem verbleibt bei unserer Naturseife
das beim Verseifungsprozess entstehende, für die Haut wertvolle, Glycerin in
der Seife, wieder im Gegensatz zu industriell gefertigter Seife. Naturseife hat
ebenfalls einen grösseren Anteil Wasser als industrielle Seife – dort wird
dieses nämlich zusammen mit dem Glycerin entzogen. Deswegen solltest du darauf
achten, dass deine Seife atmen und trocken darf, wenn sie nicht benutzt wird,
sonst wird sie schnell zu weich und irgendwie schleimig…

Und noch etwas: Wir arbeiten mit Natronlauge (NaOH), wie der
Name schon sagt, handelt es sich um eine LAUGE, sprich sie hat ätzende Eigenschaften!
Sorge deswegen bitte dafür, dass du dich selbst und deine Umgebung entsprechend
schützt: Gummihandschuhe und lange Kleidung sind das Minimum für dich, achte
aber auch zum Beispiel auf deine Augen – ganz vorsichtige Menschen greifen zur
Schutzbrille. Kinder, Haustiere, unachtsame Ehemänner und ähnliches sollten aus
der Seifenproduktions-Area entfernt werden, ebenfalls alles Essbare, das mit eventuellen
Seifenspritzern „kontaminiert“ werden könnte. Du solltest vielleicht auch nicht
gerade deine Lieblingsschüssel zum seifenrühren verwenden, am besten
deklarierst du alte Utensilien, die du anderweitig nicht mehr verwenden
möchtest, zum ausgewiesenen Seifengeschirr. Sollte doch einmal etwas Lauge an
deine Haut oder sonst wohin, wo sie nicht hinsollte, geraten, stell dir eine
Flasche mit Essig parat – damit kannst du die Lauge neutralisieren!

Jedes Fett hat spezielle Eigenschaften in der Seife,
Kokosfett zum Beispiel, macht die Seife hart, schäumt aber nicht so gut, verseiftes
Olivenöl braucht sehr lange, bis es aushärtet, schäumt aber gut – am besten
sind also Fett-Kombinationen, in denen sich die positiven Eigenschaften der Fette
gut ergänzen.

Gut, jetzt geht’s aber wirklich los!

Du brauchst als Grundausstattung:

– Einen Topf zum Schmelzen fester Fette

– Eine Waage

– Einen Behälter zum Mischen des Fettes mit der
Lauge

– Einen (hitzeresistenten) Becher zum Anmischen
der Lauge

– Einen, besser mehrere Rührlöffel und einen
Pürierstab

– Ein Plastiksieb (kein Metall, das mag die Lauge
nicht!!!)

– Ein Gefäß, in welches du die Seife einfüllst

– Folie zum Abdecken dieses Gefäßes

– Eine Decke zum Isolieren

Darüber hinaus brauchst du je nach Seifenrezept noch ein
paar mehr Behälter, Rührlöffel usw.

Dazu kommen natürlich die Zutaten für dein individuelles
Seifenrezept, ganz sicher brauchst du natürlich immer Natronlauge, diese rührt
man sich in der Regel aus destilliertem
Wasser und Natronpellets an. Das destillierte Wasser bekommst du in jeder
Drogerie, das Natron über das Internet oder in der Apotheke.

ACHTUNG: Die Menge deiner Natronlauge errechnet sich aus der
Art und Menge des verwendeten Fettes. Jedes Fett hat eine Verseifungszahl, mit
der sich ausrechnen lässt, wieviel Natronlauge gebraucht wird. Seifenrechner findest
im Internet, wie zum Beispiel diesen hier: http://www.tuula-seifen.de/seifenrechner.php

Vertraue keinem Rezept blind – prüfe die angegebene Laugenmenge
immer selbst nach!

Ich mache heute mit dir eine „Orangenminze-Seife“ mit dem
Kraut und einem milden Duft:

Verwendete Fette:

– Kokosöl 200g — Verseifungszahl 0,1830

– Olivenöl 150g — Verseifungszahl 0,1345

– Traubenkernöl 100g — Verseifungszahl 0,1285

– Kürbiskernöl 100g — Verseifungszahl 0,1350

Nun kommt etwas Grundlagenmathematik smiley

Die Ölmenge und die Verseifungszahl werden miteinander
multipliziert – das ergibt die erforderliche Menge an NaOH, um das Öl komplett
zu verseifen.

In unserem Fall:

200×0,1830 = 36,6
150×0,1345=20,17
100×0,1285=12,85 100×0,1350=13,5

In der Summe ergibt das 83,15 – also brauchen wir 83,15
Gramm Natronlauge, wenn wir unsere Fette komplett verseifen möchten. Da eine
solche Seife allerdings recht scharf und daher hautreizend wäre, erhöhen wir
den Fettanteil oder verringern den NaOH-Anteil, sodass nicht das gesamte Fett
verseift wird – wir „überfetten“ die Seife. Normalerweise überfettet man mit
5-10%, wir probieren es hier mit 8%: 83,15 Gramm Natronlauge x 0,08 = 6,652 Gramm.
Diese Menge ziehen wir von der errechneten Gesamtzahl ab: 83,15 – 6,652 = 76,5 Gramm (gerundet) NaOH

Die benötigte Wassermenge zum Auflösen des NaOH errechnen
wir in diesem Fall aus der Fettmenge. Seifen mit bei Zimmertemperatur festen
Fetten benötigen mehr Wasser, als solche mit flüssigen Ölen. Zur Ermittlung
dividieren wir die Fettmenge einfach durch 3: 550g Fett = 180g Aqua dest. (gerundet)

Nun haben wir also schonmal unsere Grundzutaten parat: Fette
und Lauge sind unter Dach und Fach!

Für die Orangenminze-Seife brauchen wir nun noch:

– Orangenminze (Kraut), dieses habe ich in ganz
wenig Traubenkernöl mit dem Pürierstab zerhackt

– jeweils 10 Gramm Orangenöl und 10 Gramm Minzöl

Beides jeweils vorbereiten und
auswiegen, sodass du im Herstellungsprozess keinen Stress bekommst.

Zum besseren Verständnis geht es jetzt mit „optischer Hilfe“ weiter smiley

Nachdem wir nun unsere Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt
haben, rühren wir zuerst die Natronlauge an. ACHTUNG: Dabei entstehen
unangenehme Dämpfe, die nicht unbedingt eingeatmet werden sollten, auf
ausreichende Belüftung sollte also geachtet werden. Außerdem erhitzt sich das
Wasser beim Einrühren der Natronpellets, deswegen solltest du ein
hitzebeständiges Gefäß benutzen. Nachdem du beide Komponenten zusammengebracht
hast, rühre so lange, bis das Wasser wieder klar wird. Vor der Weiterverwendung
sollten alle festen Bestandteile gelöst sein, da sie sich in der Seife nicht
mehr weiter auflösen. Lasse das Ganze an einem geschützten Ort abkühlen:

Die Orangenminze wurde in Traubenkernöl püriert und die ätherischen Öle abgewogen:

Die Laugenabkühlzeit kannst du nutzen, um die im Rezept angegebenen festen
Fette zu schmelzen, in diesem Fall ist das das Kokosfett. Verflüssige dieses in
einem Wasserbad.

Wiege die anderen Ölmengen ab und gebe alle zusammen, auch
das flüssige Kokosfett in den Behälter, in welchem du die Seife anrühren möchtest:

Nachdem die Lauge handwarm abgekühlt ist, gibst du sie DURCH
DAS SIEB vorsichtig in die Fettmasse und rühren mit dem Rührlöffel beständig
durch:

Nun bringen wir die Masse zum Andicken. Je nach verwendetem
Öl kann das schnell gehen oder auch etwas länger dauern. Das hier verwendete
Traubenkernöl braucht zum Beispiel länger zum Andicken. Manchmal ist nun also
etwas Geduld gefragt. Um den Geduldsfaden nicht allzu sehr zu spannen,
beschleunigen wir den Andickungsvorgang mit dem Pürierstab. Dabei Seifenspritzer
und das Einbringen von Luftblasen möglichst vermeiden.

Die Masse wird jetzt recht schnell heller und
undurchsichtig. Durch das Kürbiskernöl ist unsere Masse allerdings verhältnismäßig
dunkel. Stetig weiter rühren (Pürierstab nicht überhitzen!) und zwischendurch
immer mal wieder die Konsistenz testen. Sobald herunterfallende Tropfen nicht
mehr versinken und das Ganze eine puddingartige Konsistenz bekommt, „zeichnet“
die Seife und der Moment ist gekommen, an dem wir die weiteren Zutaten beifügen
können:

Die pürierte Orangenminze und die ätherischen Öle wandern
nun in die Masse und werden untergerührt, bis sie gleichmäßig verteilt sind, am
besten auch mit dem Pürierstab:

Nun kann die Masse eingefüllt werden, hierfür kannst du
spezielle Seifenformen nehmen, da ich gern Dinge „upcycle“, verwende ich eine leere
Tetrapackung. Das gibt der Seife später eine eher rustikale Form, dies passt
meiner Meinung nach jedoch gut zu den natürlichen Inhaltsstoffen:

Die befüllte Form mit Folie gut verschließen und „schlafen
legen“. Das heißt, du isolierst den Behälter mit einer alten Decke o.ä. für
circa 24 Stunden. Auch während dieser Zeit sollten neugierige
Familienmitglieder und Haustiere nicht an die Seife können:

Die Seife macht in dieser Zeit einiges an chemischen
Veränderungen durch, bis sie schlussendlich als fester Block in der Form endet.
Nun kannst du die junge Seife aus der Form holen und in Stücke schneiden. Nun ist
leider wieder etwas Geduld gefragt – denn die Seife ist jetzt noch immer sehr
scharf und muss erst reifen, dabei vollendet sich der Verseifungsprozess und
die Seife wird milder. Dafür legst du sie nun für 6-8 Wochen an einen luftigen Ort aus:


Kaffeeseife, Orangenminze-Seife und Veilchenblätter-Seife:

Vor der endgültigen Verwendung solltest du deine Seife noch
testen, entweder du besorgst die pH-Streifen oder du machst den „Kusstest“: Halte
deine Zungenspitze kurz an die feuchte Seife – es sollte einfach nach Seife
schmecken und darf auf de Zunge kein unangenehmes Brennen hinterlassen.

Und jetzt – endlich – ab unter die Dusche und Seife
ausprobieren!!!!!! Viel Freude damit! smiley