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Eibenheim

Wer sagt "Hier herrscht Freiheit" der lügt. Denn Freiheit herrscht nicht. Erich Fried


Blog des Familienlandsitzes Eibenheim - über uns, unsere Lebensweise und Interessantes zu den Themen Selbermacher, FreiSein und alternative Lösungen für das Leben

Selbermacher für FortGEHschrittene

Selbermacher Posted on Mo, Februar 17, 2020 18:36:42

Alter Schwede… nach langem „Ausbrüten“ habe ich einen Angstgegner bezwungen! 🙂

Ich bin ja schon seit einiger Zeit glückliche Trägerin von Barfußschuhen – ich liebe das Gefühl geschützt vor Robiniendornen und anderem pieksigen Zeug zu laufen, aber den Untergrund trotzdem noch spüren zu können. Nun sind diese Schuhe aber für mein Empfinden recht teuer, vor allem in Anbetracht dessen, dass die meisten Varianten kaum Material „an sich dran“ haben. Letzten Sommer hat „Rabaukowitsch“ dann ein Schnittmuster für Barfußschuhe rausgebracht (die „Barfoots“) und ich dachte mir „Das ist es!!! Wenn ich mir selber Schuhe nähen könnte – und dann noch Barfußschuhe – wooooaahhhh!!!!“

Die Idee musste dann erstmal ordentlich „ausgebrütet“ werden. Zusammen mit einer Nachbarin haben wir uns erstmal schlau gemacht, ob unsere normalen Nähmaschinen denn sowas schaffen, was man da so für braucht, was die einzelnen Bestandteile überhaupt bedeuten (was ist denn bitte eine „Brandsohle“?!), welches Material uns zusagt und dieses dann zusammengesammelt (genauer gesagt „gekauft“ – mit Sammeln ist da nix 😉 ). So zog sich das über Monate hin, bis ich mich an die ersten Schritte herangewagt habe – da ich ja schon Barfußschuhe habe, sollte das erste Paar für Christoph sein:

Der Schaft, also der Schuh-Hauptkörper – aus Leder in Flaschengrün.
Die Kappe – Umrandung in braun und vorne innen gefüttert mit recycelter Flanellbettwäsche.
Der fertige Schaft mit Hackenschutz und Ösen für die Schnürsenkel.

Für jeden einzelnen Schritt habe ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht. Zum Einen, weil ich es RICHTIG machen wollte (und SCHÖN 🙂 ), zum anderen, weil mein Gehirn teilweise Tage dafür gebraucht hat, die Anweisungen in der Anleitung in die Realität zu „transformieren“. Vor allem der unterfütterte Innenstreifen aus Leder hat gedauert… die Schuhe sind am Schaft nicht mit Stoff gefüttert – das probiere ich dann beim nächsten Paar. Zwischenzeitlich hatte ich rechte Bedenken, dass das Innenleben an allen Ecken und Enden am Fuss drücken wird…
Die Kappe wird mit einem Umrandungsstreifen an den Schaft genäht. Danach muss noch die Lasche befestigt werden.
Hier sieht man die Brandsohle. Wir haben uns für eine aus Kork entschieden. Die Brandsohle ist die Verbindung von Laufsohle und dem Teil, wo der Fuss dann draufsteht – auf der Innenseite gibt es dann ggf. noch eine Einlegesohle und außen wird die Laufsohle aufgeklebt.
Der Spruch mag etwas zu sehr theatralisch klingen, aber ich hatte überall Muskelkater, nachdem der Schuh fertig war, weil ich mich so dermaßen verspannt habe – aus Angst, dass ich das Ganze auf den letzten Metern noch versaue.

Ein bisschen Dramaqueen darf sein. 😉
Aber dann…. tadaaaaa! Geschafft!
Die Sohle ist 4mm dick und extra für Barfußschuhe konzipiert.
Sie lässt sich auch wunderbar biegen, so wie es sein soll. 🙂
Zum Vergleich mal ein Bild mit meinen Wildlingen.
Die schwarze „Fußmatte“ rechts im Bild ist die Sohlenplatte. Außerdem die Überreste der auf die richtige Größe zugeschnittenen Brandsohlen und der Schuhkleber.
Das sind einige der Materialien, die wir zum Schuhe nähen besorgt haben.
Insgesamt sollen sich laut Schnittmuster die Kosten für ein Paar Schuhe auf +/- 20 Euro belaufen.
Hier der glücklicherweise zufriedene frischgebackene Barfußschuh-Eigentümer in Aktion.
Natürlich hat der Schuh jede Menge Fehler, bei denen die Jungfrau in mir die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, der Löwe-Anteil streicht sich allerdings gönnerhaft über die Mähne, lässt Fünfe gerade sein und meint, dass es beim nächsten Mal schon besser klappen wird. 😉
Hier nochmal der direkte Schuhvergleich – selbstgenäht versus gekauft.
Direkter Schuhvergleich die 2. – selbstgenäht versus Natur. 🙂
Das Modell hat wirklich alles gegeben!!! 🙂
Hier sieht man, dass die Sohle eine Schwachstelle darstellt. Schuhkleber hält anscheinend umso besser, je doller man die Materialien zusammenpresst – also der Druck ist auschlaggebend, nicht die Dauer, die der Kleber einwirken kann. Ich kann mich erinnern, dass Schuster so eine Presse haben, in die sie die zu klebenden Schuhe einhängen. Jetzt weiß ich warum. Ich habe die Sohle so gut es mir möglich war, angepresst, aber sie hat sich an den Rändern trotzdem gelöst – hier musste ich mit Sekundenkleber nachhelfen. Wenn man nicht sooo nah rangeht, wie auf dem Bild hier, fällt das aber nicht auf.

„Mrs. Minit“ wird ich aber trotzdem nicht mehr. 😉
Für mein Empfinden könnten die Schuhe vorne mehr Platz haben, Christoph ist jedoch zufrieden so und findet die Schuhe bequem. Es scheint auch nichts zu drücken.
Puh, bin ich froh…. 🙂
Barfußschuhe haben die Eigenschaft, dass sie den Fuss nicht stützen, so müssen die Muskeln und Bänder wieder ihre natürlichen Haltefunktionen übernehmen. Außerdem muss man sein Laufbild anpassen, weil die Sohle kein „trampeln“ abfedert und sich das dünne Material bei unnatürlichem Laufen extrem schnell verabschiedet. Wenn man gar nicht ans barfuß laufen gewöhnt ist, kann man zu Beginn der Umstellung auch schonmal ganz schön Muskelkater bekommen… Christoph hat heute schon fleißig geübt – mal schauen, ob er morgen etwas merkt. 🙂
Im ersten Moment wirken die Schuhe – genau wie die Wildlinge – wie Clownsschuhe. Man gewöhnt sich aber recht schnell an die neue Breite. Die Sohle lässt laut Christoph auch die Beschaffenheit des Bodens spürbar durch.
Fazit: ICH bin glücklich, dass ich „anständige“ Schuhe hinbekommen habe und der GÖTTERGATTE ist glücklich, dass er jetzt auch endlich seine Barfußschuhe hat, auf die er so lange geduldig gewartet hat. 🙂


Mitgefühl… mit Gefühl…

FreiSein Posted on Mo, Februar 17, 2020 09:12:11